HiFi-Anlage verbessern: Wo fange ich an? Die richtige Reihenfolge
Die fünf Sprossen der Upgrade-Leiter: Raum, Strom, Aufstellung, Kabel, Gerätetausch. Warum der teuerste Griff fast nie der wirksamste ist.
Mit dem Lautsprecher beginnt die Planung der ganzen Anlage. Er bestimmt mit, welchen Verstärker Sie brauchen, wie viel Raum und wie Sie aufstellen müssen. Man wählt nie den Verstärker und sucht dann die Box dazu. Man wählt den Lautsprecher, und der Rest folgt ihm. Der sinnvollste Zugang ist nicht Preis oder Größe, sondern das Wandlerprinzip.
Ein Treiber gibt seine Energie an einen akustischen Trichter ab, der den Wirkungsgrad dramatisch steigert. Wenige Watt füllen einen großen Raum. Der Einsatz eines Orchesters geschieht ungebremst, ohne jede Kompression. Der Preis: Schlecht konstruierte Hörner färben nasal, gute sind aufwendig und meist groß. Die Richtwirkung ist ausgeprägt, der beste Platz eng. Das Horn ist der geborene Partner der kleinen Single-Ended-Triode, etwa einer 300B. Diese Ehe ist eine der schönsten, die unser Fach kennt.
Elektrostaten und Magnetostaten bewegen die Luft mit einer hauchdünnen, großflächigen Folie. Die Folie hat kaum Masse und folgt dem feinsten Einschwingen sofort. Eine Hörerin hat es so beschrieben: Der Sänger steht im Raum, nicht im Lautsprecher.
Aber die Fläche ist ein anspruchsvoller Gast. Sie strahlt nach vorn und nach hinten ab und braucht oft einen Meter Abstand zur Rückwand und mehr. Der beste Platz kann zentimeterschmal sein, zu zweit wird es schwierig. Sie verlangt vom Verstärker Stromstabilität an einer heiklen Last, kräftige Transistoren oder Push-Pull-Röhren sind die sichere Wahl. Und Flächenmembranen altern. Fragen Sie beim Gebrauchtkauf nach Service und Ersatzteilen.
Konus-Tieftöner plus Kalotten-Hochtöner: das Prinzip, das den weitaus größten Teil des heutigen Marktes ausmacht, und das aus gutem Grund. Vielseitig, robust, raumverträglich, in jeder Preisklasse zu haben. Für kleine Räume gebe ich Einsteigern gern diesen Rat mit: Ein Kompaktlautsprecher auf einem soliden, schweren Ständer lässt sich oft präziser aufstellen als eine günstige Standbox.
Das Prinzip lässt sich bis an die Spitze treiben. Die Lumen White, mit der wir 2001 auf der CES in Las Vegas vorgeführt haben, als amerikanische Fachjournalisten unseren Raum zum „Best Sound of Show“ kürten, ist ein Direktstrahler mit Keramik- und später Diamantmembranen. Ein Wort zum Gehäuse: Geschlossen liefert trockenen, präzisen Bass mit weniger Tiefgang. Bassreflex holt aus demselben Volumen mehr Tiefe und Wirkungsgrad, verlangt aber saubere Abstimmung. Beides ist eine Charakterfrage, keine Qualitätsfrage.
Der Radialstrahler strahlt rundum ab, 360 Grad. Wo der Elektrostat einen schraubstockengen besten Platz kennt, spannt er eine stimmige Bühne für alle auf, die im Raum sitzen. Klangquellen lösen sich vom Gehäuse und stehen holografisch im Raum. In halligen Wohnräumen wirken diese Lautsprecher oft verträglicher, weil ihr gleichmäßiger Diffusschall die Erstreflexionen weniger hart erscheinen lässt.
Der berühmteste Vertreter sind die Radialstrahler von MBL aus Berlin. Wir waren der erste MBL-Handelspartner Österreichs und haben diese Lautsprecher über Jahre in unseren Räumen abgestimmt. Auch der Radialstrahler nimmt einem die Raumarbeit nicht ab, und er will einen kräftigen, kontrollierten Verstärker.
Merken Sie sich aus diesem Text zwei Kennzahlen. Erstens den Wirkungsgrad: wie laut ein Lautsprecher in einem Meter Abstand spielt, meist als Kennschalldruck angegeben. Achten Sie auf die Bezugsgröße: 2,83 Volt sind nur an 8 Ohm ein Watt, an 4 Ohm bereits zwei. Ein 4-Ohm-Lautsprecher sieht so rund drei Dezibel empfindlicher aus, als er ist. 84 Dezibel sind leise und verlangen kräftige Verstärker, 90 und mehr sind röhrentauglich. Jede Steigerung um drei Dezibel halbiert den nötigen Verstärkeraufwand.
Zweitens die Impedanz, aber nicht der Nennwert, sondern der Verlauf. Tiefe Minima und starke Phasendrehung ergeben eine schwere Last, die stromstabile Endstufen verlangt. Ein Lautsprecher mit niedrigem Wirkungsgrad und tiefen Impedanzminima gehört an einen kräftigen Transistor. Ein Lautsprecher mit hohem Wirkungsgrad und gutmütiger Impedanz öffnet die Tür zur Röhre.
Am Ende gilt: Entscheiden Sie mit den Ohren, in Ihrem Raum, mit Ihrer Musik. Suchen Sie nicht das beste Prinzip, sondern das, dessen Stärken Sie lieben und dessen Kompromisse Sie tragen können.
In kleinen Räumen und bei Einstiegsbudgets ist ein guter Kompaktlautsprecher auf einem schweren Ständer meist die bessere Wahl. Standlautsprecher liefern echten Tiefbass, brauchen dafür aber Raum und einen Verstärker, der sie führt.
Einer mit hohem Wirkungsgrad ab etwa 90 Dezibel und gutmütigem Impedanzverlauf. Hörner und viele Breitbänder sind ideal für kleine Trioden. Flächenstrahler und schwere Lasten brauchen kräftige Push-Pull-Röhren oder Transistoren.
Nur mit viel Abstand zur Rückwand, einer behandelten Wand dahinter und einem festen Hörplatz. Für den Alleinhörer mit Platz gibt es kaum etwas Durchsichtigeres, für die Familie auf dem Sofa sind Direkt- oder Radialstrahler geschickter.
Der Schalldruck, den ein Lautsprecher in einem Meter Abstand erzeugt, bezogen auf ein Watt oder auf 2,83 Volt, die an 4 Ohm bereits zwei Watt sind. Drei Dezibel mehr halbieren die nötige Verstärkerleistung. Deshalb entscheidet diese Zahl mit, ob eine Röhre in Frage kommt.
Geschlossen klingt trockener und präziser, Bassreflex tiefer und effizienter. Beides ist legitim. Wichtig ist eine saubere Abstimmung, sonst wird der Bass dick und langsam.
Dieser Ratgeber basiert auf einem Kapitel aus Die beste HiFi-Anlage für mich von Robert Czesany, dem Praxisleitfaden vom High-End-Händler, vom Einstieg bis zur Spitzenklasse. Erhältlich in unserem Shop als E-Book sowie als Taschenbuch und Hardcover, und natürlich bei uns im Geschäft in Graz.
Sie möchten das auf Ihre Anlage und Ihren Raum übertragen? Vereinbaren Sie einen Hörtermin oder schicken Sie uns über die Beratung per E-Mail ein paar Fotos Ihres Raums. Telefon +43 316 822810.
Die fünf Sprossen der Upgrade-Leiter: Raum, Strom, Aufstellung, Kabel, Gerätetausch. Warum der teuerste Griff fast nie der wirksamste ist.
Raum, Musik, Hörgewohnheit, Bestand, Budget: die fünf Fragen, die eine Anlage passend machen. Dazu ehrliche Budget-Staffeln von 1.000 bis über 30.000 Euro.
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