Tipps zur klanglichen Optimierung
So holen Sie das Maximum aus Ihrer bestehenden Anlage — ohne teure Upgrades.
Der Raum ist das größte Instrument Ihrer Anlage. Nach unserer Praxiserfahrung entscheiden sich rund sechzig Prozent dessen, was Sie hören, an Raum, Strom und Aufstellung, nicht an den Geräten. Wer seinen Raum kennt und mit wenigen Handgriffen abstimmt, gewinnt mehr als mit dem nächsten Gerätetausch.
Zwischen zwei parallelen Wänden steht eine Schallwelle besonders gut, wenn ihre halbe Wellenlänge dem Wandabstand entspricht. Bei vier Metern liegt dieser erste Ton bei rund 43 Hertz, mitten im musikalischen Bass. Darüber stapeln sich seine Vielfachen, und dasselbe geschieht zwischen den anderen Wandpaaren und zwischen Boden und Decke. Das sind die Raummoden. Sie sind der Grund, warum der Bass am Sofa an der Rückwand dick und unkonturiert klingt und zwei Schritte weiter fast verschwindet.
Probieren Sie es aus. Spielen Sie einen gezupften Kontrabass und gehen Sie durch Ihr Wohnzimmer. An einer Stelle wummert ein Ton doppelt so laut wie seine Nachbarn, an einer anderen fehlt er. Das ist keine defekte Anlage, das ist der Raum, der bei seinen Lieblingstönen mitsingt.
Am schwierigsten sind Räume mit gleichen oder ganzzahlig verwandten Abmessungen. Wer baut oder umbaut, sollte ungleiche Proportionen wählen und im Zweifel eine Handbreit mehr Raumhöhe. Das ist Akustik zum Rohbaupreis.
Stellen Sie sich in die Mitte des Raumes und klatschen Sie einmal kräftig. Ein kurzes, trockenes Tack: guter Raum. Ein Tack mit kleiner, warmer Fahne: ideal. Ein metallisches Flattern zwischen zwei Wänden: Flatterecho, dort gehört etwas Weiches oder Schräges hin. Ein langes Ausklingen wie im Stiegenhaus: Bevor Teppich, Vorhänge und Regale nicht ihre Arbeit tun, ist jede Diskussion über Verstärkerklang verlorene Zeit.
Zu viel Dämpfung ist seltener, aber tückischer: Auf zehn zu hallige Wohnräume kommt vielleicht einer, der zu Tode gedämpft wurde, und dieser eine ist der traurigste. Ein Wohnraum ist kein Abhörstudio. Absorption gehört gezielt dorthin, wo sie Schaden verhindert, und Leben überall sonst. Die schönsten Akustikmodule sind volle, unregelmäßig eingeräumte Bücherregale.
Erstens: Die Wand hinter dem Hörplatz darf nie glatt, hart oder gar aus Glas sein. Sie wirft den Schall ungebremst auf Ihren Hinterkopf und verwischt die Bühne. Ein schwerer Vorhang oder ein Wandteppich lösen das sofort. Ein Diffusor ist erst dann die bessere Wahl, wenn Sie sechzig Zentimeter und mehr Abstand zur Wand hinter sich haben.
Zweitens: Die Fläche hinter den Lautsprechern soll gerade nicht totgedämpft werden. Ein wenig Reflexion dort hält die Wiedergabe offen und luftig. Die einzige Ausnahme sind Flächenstrahler wie Elektrostaten und Magnetostaten, die nach hinten abstrahlen. Bei ihnen gehört die Rückwand behandelt.
Die meisten meiner Kunden haben keinen geschlossenen Hörraum, sondern einen offenen Wohn-Ess-Bereich. Das hat sogar einen Vorteil: Wo eine Wand fehlt, baut sich keine Mode auf, und der Bass ist oft gutmütiger. Das Problem ist die Asymmetrie. Die holt man sich näherungsweise zurück: Teppich unter dem Hördreieck, ein Regal an der Seitenwand als Gegengewicht zur Öffnung, notfalls ein etwas stärkeres Einwinkeln des wandnahen Lautsprechers. Perfekt wird es nicht, gut wird es fast immer.
Eine Dachschräge bricht die Parallelität von Boden und Decke und ist deshalb oft ein Freund. Glas ist akustisch eine harte Wand mit gutem Gewissen. Ein schwerer Vorhang davor ist die eleganteste Raumkorrektur, die ich kenne.
Jeder weitere Lautsprecher im Raum kann bei der Musik mitschwingen, und in vielen Räumen tut er es hörbar: die alte Box in der Ecke, die Surround-Anlage, die Chassis im Fernseher. Die Membranen werden angeregt, resonieren und geben Energie zeitverzögert und verfärbt wieder ab. Dynamik, Feinzeichnung und Raumabbildung werden matter. Werfen Sie für einen Abend eine Decke über den Fernseher oder räumen Sie überzählige Boxen hinaus. Sie werden staunen, wie die Bühne aufatmet. Aus demselben Grund führen wir Lautsprecher nur in der Single-Speaker-Demonstration vor.
Teilweise. Digitale Raumkorrektur kann den Bassbereich glätten und Raummoden zähmen, gegen die mit Möbeln schwer anzukommen ist. Bei Subwoofern halte ich sie für fast unverzichtbar. Was sie nicht kann: einen halligen Raum trocken rechnen. Nachhall und Flatterecho entstehen nach dem Lautsprecher, und keine Elektronik holt einen Schall zurück, der schon unterwegs ist. Wer die Korrektur im Mittel- und Hochton kräftig eingreifen lässt, bezahlt fast immer mit Lebendigkeit.
Für hartnäckige tiefe Moden gibt es die aktive Bassfalle, etwa die PSI Audio AVAA. Sie schluckt überschüssige Bassenergie am Entstehungsort im Raum, nicht im Signal. Kein billiges Vergnügen, aber in problematischen Räumen oft die wirksamste Einzelmaßnahme.
Meine Reihenfolge seit Jahren: erst der Raum, dann die Aufstellung, zuletzt die Elektronik. Die Elektronik ist das Feinstimmwerkzeug am Ende, nicht der Bagger für das Fundament.
Das hängt von der Konstruktion ab. Fast alle Lautsprecher brauchen mindestens 50 Zentimeter, besser einen Meter, Flächenstrahler oft einen Meter und mehr. Einige Modelle sind eigens für die Wand gebaut. Wichtiger als der Absolutwert ist das Ausprobieren in kleinen Schritten mit einer vertrauten Aufnahme und Kreppband-Markierungen am Boden.
Ihr Hörplatz liegt vermutlich in einem Druckmaximum einer Raummode, meist direkt an der Rückwand. Rücken Sie den Hörplatz mindestens 60 Zentimeter von der Wand weg. Das kostet nichts und verändert oft mehr als ein neues Gerät.
Nein. Zu viel Dämpfung erstickt den Raum, die Musik klingt leblos und eng. Behandeln Sie die Erstreflexionspunkte, die Ecken und die Wand hinter dem Hörplatz. Hinter den Lautsprechern darf Reflexion bleiben, außer bei Elektrostaten und Magnetostaten.
Im Bass ja, im Mittel- und Hochton kaum. Nachhall und Flatterecho lassen sich nicht wegrechnen. Erst der Raum, dann die Aufstellung, zuletzt die Elektronik.
Oft ja. Seine Chassis können mitschwingen, und die große Glasfläche reflektiert. Testen Sie es mit einer Decke über dem Gerät. In vielen Räumen ist der Unterschied sofort hörbar.
Dieser Ratgeber basiert auf einem Kapitel aus Die beste HiFi-Anlage für mich von Robert Czesany, dem Praxisleitfaden vom High-End-Händler, vom Einstieg bis zur Spitzenklasse. Erhältlich in unserem Shop als E-Book sowie als Taschenbuch und Hardcover, und natürlich bei uns im Geschäft in Graz.
Sie möchten das auf Ihre Anlage und Ihren Raum übertragen? Vereinbaren Sie einen Hörtermin oder schicken Sie uns über die Beratung per E-Mail ein paar Fotos Ihres Raums. Telefon +43 316 822810.