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Klangoptimierung

Neue HiFi-Anlage einspielen: Die ersten 30 Tage

Eine fabrikneue Anlage klingt noch nicht so, wie sie klingen wird. Das ist keine Ausrede der Branche, sondern Mechanik und Elektrochemie. Und nicht nur die Anlage muss sich eingewöhnen, Ihre Ohren müssen es auch. Die ersten dreißig Tage entscheiden, ob aus einem guten Kauf eine glückliche Anlage wird.

Die Anlage muss erst einspielen

Sicken und Zentrierspinnen eines neuen Chassis sind steif wie neue Schuhe und brauchen Bewegung, um geschmeidig zu werden. Dass sich ihre Aufhängung dabei messbar verändert, ist belegt, wie stark und wie lange, ist modellabhängig. Manchen Bauteilen wie Kondensatoren wird nachgesagt, dass sie sich in den ersten Betriebsstunden setzen, das ist Werkstatt-Erfahrung, keine gesicherte Wissenschaft. Ein hörbares Einspielen von Kabeln ist nie sauber nachgewiesen worden. Rechnen Sie bei Lautsprechern eher mit einigen Wochen normalen Betriebs als mit einem festen Stundenwert, Elektronik ist meist früher so weit. In dieser Zeit wird der Bass tiefer und lockerer, die Höhen verlieren eine anfängliche Härte, die Bühne öffnet sich. Spielen Sie in den ersten Wochen viel Musik, gern bei moderater Lautstärke, wenn Sie nicht im Raum sind. Aber fällen Sie kein Urteil.

Ihre Ohren spielen auch ein

Für feine Details gibt es kaum ein akustisches Gedächtnis, aber eine Gewohnheit: den Klang der alten Anlage, jahrelang eingeschliffen, mit allen Fehlern. Eine bessere Anlage klingt deshalb am Anfang oft nicht besser, sondern anders, und anders fühlt sich für das Gehirn erst einmal falsch an. Der aufgeblähte Bass fehlt plötzlich, das Ohr vermisst ihn, obwohl er nie richtig war. Ich habe Kunden erlebt, die nach zwei Tagen beunruhigt anriefen und nach drei Wochen ihre alte Anlage nicht mehr ertragen konnten. Geben Sie sich dieselben Wochen, die Sie der Anlage geben.

Ein Fahrplan für vier Wochen

  • Woche 1: aufstellen und leben lassen. Lautsprecher ungefähr ins Stereodreieck mit Luft zur Wand. Viel Musik, entspannt. Kein Rücken, ein Lautsprecher, der sich täglich verändert, ist ein schlechter Partner für Zentimeterarbeit.
  • Woche 2: die Zentimeter. Feinaufstellung mit Kreppband-Markierungen: Rückwandabstand in kleinen Schritten, Basisbreite, Einwinkelung, immer dieselbe vertraute Aufnahme.
  • Woche 3: die unsichtbaren Dinge. Phase jedes Gerätes, Trennung von Netz- und Signalkabeln, fester Sitz aller Verbindungen, Spikes samt Gegenmuttern, Einschalt-Routine. Bei Plattenspielern die Justage kontrollieren, Transport und neue Aufstellung können Kleinigkeiten verschieben.
  • Woche 4: das erste ehrliche Hören. Ein Abend mit Referenzaufnahmen, leise und laut, quer durch die Musik. Notizen: Was begeistert? Was stört, und stört es an jedem Platz, bei jeder Aufnahme, bei jeder Lautstärke?

Die sechs klassischen Anfangsfehler

  1. Das Urteil am ersten Abend.
  2. Die Panikkorrektur: nach drei Tagen ein anderes Kabel, nach fünf ein Tuning-Zubehör, nach einer Woche die Frage nach dem Umtausch. Niemals zwei Baustellen gleichzeitig, und das Einspielen ist schon eine.
  3. Die Dauer-Euphorie-Lautstärke. Ein ermüdetes Ohr urteilt schlecht. Hören Sie auch leise. Langes lautes Hören kann das Gehör dauerhaft schädigen: Machen Sie Pausen und nehmen Sie Klingeln oder dumpfes Hören nach einem Musikabend als Warnsignal ernst.
  4. Das Wiedereinräumen: Pflanze zwischen die Lautsprecher, Möbel in die Ecke, Fernseher in die Mitte. Wenn Kompromisse, dann bewusste.
  5. Die alte Gewohnheit als Maßstab. Der Maßstab ist das echte Instrument im echten Raum. Gehen Sie in diesen Wochen bewusst in unverstärkte Konzerte. Jeder Besuch kalibriert Ihr Urteil neu.
  6. Das Alleinbleiben.

Der Anruf nach dreißig Tagen

Bleiben Sie mit Ihrem Händler im Gespräch. Bei uns gehört es zum Kauf dazu, dass wir nach den ersten Wochen nachfragen, und wenn etwas stört, kommen wir nach. Fast immer ist es ein Handgriff: eine Einwinkelung, ein vertauschtes Kabel, ein Lautsprecher, der beim Staubsaugen fünf Zentimeter gewandert ist. Eine Anlage ist kein Produkt, das mit der Lieferung fertig ist. Sie ist der Anfang einer Beziehung zwischen Ihnen und Ihrer Musik. Unabhängig von dieser Hörphase gelten alle gesetzlichen und vertraglichen Widerrufs-, Rückgabe- und Gewährleistungsfristen. Warten Sie mit dem Anruf deshalb nicht bis zum Ende der dreißig Tage, wenn ein Mangel erkennbar ist.

Häufige Fragen

Wie lange müssen neue Lautsprecher einspielen?

Eher einige Wochen normalen Betriebs als einen festen Stundenwert, wie lange genau, ist modellabhängig. Elektronik ist meist früher so weit. In dieser Zeit wird der Bass lockerer, die Höhen verlieren Härte, die Bühne öffnet sich.

Warum klingt meine neue Anlage schlechter als die alte?

Meist klingt sie nicht schlechter, sondern anders, und Ihr Gehör ist an die Fehler der alten Anlage gewöhnt. Geben Sie sich und der Anlage drei bis vier Wochen.

Wann soll ich die Lautsprecher fein aufstellen?

Ab der zweiten Woche, wenn die ersten Betriebsstunden in den Chassis sind. Vorher verändert sich der Klang täglich. Den allerletzten Schliff heben Sie sich auf, bis sich der Klang von Woche zu Woche nicht mehr merklich ändert.

Darf ich in der Einspielzeit Kabel tauschen?

Besser nicht. Das Einspielen ist bereits eine Baustelle. Wer gleichzeitig tauscht, weiß nie, welche Änderung er hört.

Was mache ich, wenn nach vier Wochen etwas stört?

Händler anrufen. Fast immer ist es ein Handgriff vor Ort: Einwinkelung, Phase, ein verrutschter Lautsprecher.

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Aus dem Buch

Dieser Ratgeber basiert auf einem Kapitel aus Die beste HiFi-Anlage für mich von Robert Czesany, dem Praxisleitfaden vom High-End-Händler, vom Einstieg bis zur Spitzenklasse. Erhältlich in unserem Shop als E-Book sowie als Taschenbuch und Hardcover, und natürlich bei uns im Geschäft in Graz.

Sie möchten das auf Ihre Anlage und Ihren Raum übertragen? Vereinbaren Sie einen Hörtermin oder schicken Sie uns über die Beratung per E-Mail ein paar Fotos Ihres Raums. Telefon +43 316 822810.

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